Rezensions-Quickie: Mädelsdielesen Bücher Januar bis Juni

Bücher Die Sommer, Am Ende bleiben die Zedern, KIm Jiyoung geboren 1982 und Ereader auf einander gestapelt auf weißem Holztisch mit rundem Platzset in beige und schwar liegend, vor Bücherregal

Rezensions-Quickie: Mädelsdielesen Bücher Januar bis Juni

Im heutigen Rezensions-Quickie stelle ich euch ale Bücher aus Helens Instagram-Buchclub „Mädelsdielesen“ vor, die ich im Jahr 2021 bisher mitgelesen habe. Viel Spaß dabei!

Vielleicht solltest du mal mit jemanden darüber reden von Lori Gottlieb

Buchinfos: Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden, Lori Gottlieb, Hanser Verlag, ebook; ISBN: 978-3-446-26604-9, Erscheinungsdatum: 27.4.2020, Übersetzung: Elisabeth Liebl

Lori Gottlieb schildert in diesem Buch von ihrer Arbeit als Therapeutin. Sie nimmt uns dabei bei verschiedenen Patient*innen (natürlich nicht mit realen Namen) mit in Therapiesitzungen und lässt uns manche Situationen darin aus Sicht der Therapeutin erleben. Außerdem schildert sie, wie sie selbst nach einer Trennung eine Therapie beginnt. Denn ja, auch Therapeut*innen sind nur Menschen. Anderen helfen ist immer einfacher, als sich selbst zu helfen und die eigenen Tipps und Empfehlungen anzuwenden. So erleben wir auch, wie sie selbst all das durchleben und erarbeiten muss, was auch ihr Patient*innen erarbeiten und durchleben müssen.

Da ich selbst in Therapie bin, war ich superneugierig auf dieses Buch. Auch wenn es stellenweise etwas langatmig wurde, konnte mich Lori Gottlieb dennoch unterhalten und bewegen. Sie zeigt den Menschen in all seinen Facetten und Widersprüchen und gibt dabei wichtige und tiefe Einblicke in eine Therapie – von beiden Seiten. Ich kann es empfehlen, wenn ihr euch näher mit dem Thema auseinandersetzen wollt, aber lieber etwas in Romanform statt als Sachbuch lesen möchtet.

Die Sommer von Ronya Othmann

Buchinfos: Die Sommer, Ronya Othomann, Hanser Verlag, Gebundenes Buch, ISBN: 978-3-446-26760-2, Erscheinungsdatum: 17.8.2020

Die Sommer von Ronya Othomann, Hanser Verlag, Hardcover Ausgabe

Es gibt Geschichten, von denen ich mir so sehr wünsche, dass sie jeder liest. Die Sommer ist eine davon.
Wir begleiten Leya, die jedes Jahr, seit sie vier Jahre alt ist, in das kurdische Heimatdorf ihres Vaters reist, um dort im Haus ihrer ezidischen Großeltern den Sommer zu verbringen. In Nordsyrien nahe der türkischen Grenze. Der Unterschied zwischen den Sommern und dem Rest des Jahres in ihrem zuhause in Deutschland könnte kaum größer sein.

Erzählen, wie und wo genau sie ihre Sommerurlaube verbringt, kann sie kaum. Den Kurdistan, das kennt keiner, jeder sagt, das gibt es nicht. Denn an den Kurden wurden von je her Genozide verübt. Durch die Erzählung ihres Vaters erfahren wir mehr über all die Widrigkeiten und die Spaltung dieses Volkes, als ihr Siedlungsraum auf mehrere Staatsgebiete aufgeteilt wurde, ihre Sprache, Lieder, Kunst und mehr verboten wurden.
Als Leya älter wird, spitz sich die Lage in Syrien immer weiter zu. Schließlich bricht im Jahr 2011, als sie ihr Abi macht, der Krieg aus. Wie erleben, wie sie immer weniger begreift, wie der Alltag in Deutschland mit ihr zusammenhängen kann und ihrer Angst um die vor Ort lebende Familie.

Diese Zerrissenheit transportiert Ronya Othmann so eindringlich durch diesen besonderen, fragmentarischen Schreibstil, der wie eine Art Aneinanderreihung von Erinnerungen erscheint. Zudem erfahren wir so viel zu Kurdistan und dessen Geschichte, ohne, dass das Buch an Lesefluss oder Spannung und Atmosphäre einbüst. Absolute Leseempfehlung.

Am Ende bleiben die Zedern von Pierre Jarawan

Buchinfos: Am Ende bleiben die Zedern, Pierre Jarawan, Pipe Verlag, Taschenbuch, EAN: 978-3-492-31199-1, Erscheinungsdatum: 12.01.2018

Taschenbuch Am Ende bleiben die Zedern von Pierre Jarawan auf weißem Holztisch vor Bücherregal
Am Ende bleiben die Zedern, Taschenbuch, Pierre Jarawan

Pierre Jarawan nimmt uns in diesem Buch mit in die Gegenwart und die Kindheit von Samir. Er erzählt von der Vergangenheit und den Wurzeln Samirs Familie und schickt ihn auf eine Reise, die Gegenwart und Vergangenheit verbindet. Samir will die Wahrheit über seinen Vater erfahren. Dieser hat die Familie vor mehr als 20 Jahren verlassen, von einem Tag auf den anderen. Am Tag davor hat Samir noch einen unbeschwerten Kindheitstag mit ihm, am nächsten ist er plötzlich so anders, und nur wenige Zeit später verschwindet er wortlos und spurlos.

Samir hat nur ein rätselhaftes Dia im Gepäck. Seit dieses aus Versehen an einem Diaabend im Projektor steckte, gab es Streit zwischen den Eltern, sein Vater veränderte sich und verschwand. Was hat es mit diesem Dia und dem Verschwinden von Samirs Vater auf sich? Gemeinsam begeben wir uns in den Libanon, ein noch immer gespaltenes Land, und auf die Spurensuche nach seinem Vater.

Samirs Geschichte ist auch die Geschichte des Libanon. Pierre Caravan schafft es, beides geschickt zu verweben. Er transportiert dies mit einem sehr eingehenden, märchenhaften, bewegenden Schreibstil. Obwohl wir es schon im April gelesen haben, erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen und fühle diese eindringliche Atmosphäre wieder. Klare Leseempfehlung von mir.

Kim Jiyoung, geboren 1982 von Cho Nam-Joo

Buchinfos: Kim Jiyoung, geboren 1982, Cho Nam-Joo, Kiwi Verlag, Gebundene Ausgabe, Übersetzung: Ki-Hyang Lee, ISBN: 978-3-462-05328-9, Erscheinungsdatum: 11.2.2021

Hardcover Buch Kim Jiyoung, geboren 1982 von Cho Nam-Joo auf weißem Holztisch mit beige-schwarzem runden Platzset vor Bücherregal. Auf dem Cover Frau ohen Gesicht, im Gesicht der titel, Hauptfarbe rot, Frau vor Stadtumrissen im Hintergrund, die mit gelber Frabe gedruckt sind
Kim Jiyoung, geboren 1982, Cho Nam-joo, Hardcover

Kim Jiyoung, das entspricht im etwa dem „Musterfrau“ bei uns. Kim, eine von vielen anderen Frauen in Korea im gleichen Alter. Mit diesem recht schlicht geschriebenen, aber mit harten Fakten gespickten Buch hat sie sogar Massenproteste in Korea ausgelöst. Es geht im Kim Jiyoung, Mitte 30, als das Buch einsetzt, die vor Kurzem ihren Job aufgegeben hat, um sich um ihr Baby zu kümmern. Etwas, dass von koreanischen Frauen erwartet wird und etwas, dass aufgrund des patriarchalischen Systems auch gar nicht anders ginge, selbst wenn es die Familie, vielmehr die Frau anders möchte.

Bald zeigt Kim eigenartige Symptome, denn sie schlüpft episodenweise in die Rolle anderer Frauen aus ihrem Leben. Ihr Mann schickt sie schließlich zum Psychiater, als diese Episoden immer schlimmer werden. Dieser Psychiater nun erzählt Kims Leben nach, von der Kindheit bis zu dem Moment, in der ihr Mann sie zu ihm in die Praxis schickt.

Ein Leben voller Frust, Unterwerfung und Geschlechterrollen, in dem Frauen in Korea (aber auch noch immer an so vielen anderen Orten dieser Welt) immer benachteiligt sind. Egal ob in der Grundschule, in denen für Mädchen strengere Regeln für Uniformen gelten oder in der die Mädchen immer als letzte zum Essen dürfen, dann aber gescholten werden, weil sie so langsam sind. Bis hin zum Arbeitsleben, in denen Arbeitskollegen eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren, aber nicht die Männer, sondern die Frauen die Konsequenzen ausbaden müssen. In ein Leben, in dem Kim Schuld ist, wenn sie spätnachts von Männern belästigt wird, so nach Meinung ihres Vaters.

Ein Buch, das nüchtern, aber intensiv verdeutlicht, wie sehr Frauen in Korea selbst noch immer unterdrückt sind – ein Leben, dass auf so viele zutrifft. Gleichzeitig aber auch viele Situationen hervorruft, die auch im Rest der Welt noch immer sehr bekannt und verbreitet sind. Ich fand viele Situationen sehr beklemmend und schockierend, andere kamen auch mir bekannt vor. Alleine deshalb würde ich das Buch schon empfehlen. Ich selbst hatte mit diesem sehr nüchternen, sachlichen, etwas holzigen Schreibstil aber so meine Probleme und konnte bis zum Schluss nicht richtig ins Buch finden. Wichtige Einblicke gibt es aber, weshalb ich dennoch froh bin, es gelesen zu haben.

Franzi D.
introvertsadventure@gmail.com
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