Rezensions-Quickie im September

Bücher seitlich liegen mit Buchrücken nach vorne: Komplett Gänsehaut von Sophie Passmann, Prima Aussicht von Judith Potznan, Alle wollen was erleben von Fabian Hischmann, Nie nie nie von Linn Stromsborg und Acts of desperation von Megan Nolan

Rezensions-Quickie im September

Im heutigen Rezensions-Quickie stelle ich euch die von mir gelesenen Bücher aus den letzten Wochen vor.

Komplett Gänsehaut von Sophie Passmann

Buchinfos: Komplett Gänsehaut, Sophie Passmann, KiWi Verlag, Hardcover, ISBN: 978-3-462-05361-6, Erscheinungsdatum: 04.03.2021, 192 Seiten

Buch Hardocver komplett Gänsehaut. Schwarzer Hintergrund mit Titel in gelber, dicker Schrift. Buch steht auf weißem Holztisch vor Bücherregalwand
Komplett Gänsehaut von Sophie Passmann, KiWi

Komplett Gänsehaut ist ein pointierte, passiv-aggressive, oft zum schmunzeln bringende Gernerationskritik an der Generation Y, auch bekannt als Millennials. Zu dieser gehört Passmann auch selbst mit 27 Jahren und sie nimmt sich in diesem Buch auch keineswegs außen vor, spricht sie doch oft davon, dass sie und ihre Freunde genau so sind, wie sie überspitzt die Millennials darstellt. Im Buch zieht die 27-jährige Protagonistin gerade in eine neue Wohnung. Im Rahmen des Umzugs denkt sie zurück an Anekdoten und wirft einen recht zynischen Blick auf ihr Leben und das vieler andere aus ihrer Generation. Dabei wirft sie noch eine gute Prise Popkultur mit dazu.

Klar verallgemeinert sie natürlich stark, denn nicht alle Millennials sind wie ihr Freundeskreis, an manchen Stellen war es mir auch etwas zu viel des Guten, aber das lässt sich in dieser Stilart auch nicht vermeiden. Sophie Passmann eckt an und provoziert, spart nicht an Zynismus und Selbstkritik, geht aber nie zu weit über die Grenze, sodass mir das Buch viel Spaß machte.

Prima Aussicht von Judith Poznan

Buchinfos: Prima Aussicht, Judith Poznan, Dumont Verlag, Hardocver, ISBN: 978-3-8321-7118-6, Erscheinungsdatum: 13.08.2021, 208 Seiten

Buch Hardcover Prima Aussicht von Judith Poznan. Gelbliche Sepia Töne eines alten Camper Vans mit einer Frau davostehend, Titel und Autorin in schwarz aufgedruckt. Buch steht auf weißem Holztisch vor einer Bücherregalwand
Prima Aussicht von Judith Poznan, Dumont

Judith schreibt in diesem Buch autofiktional. Darüber, dass sie nur Wohnwagekaufen üben wollte und dann zack, stolze Besitzerin eines alten, klapprigen, in die Jahre gekommenen Wohnwagens ist, der bereits 41 Jahre auf dem Buckel hat. Denn ihr Freund möchte noch kein zweites Kind und so eröffnet sie ihm: Wir müssen spießig werden – mit Wohnwagen auf der Campingplatz-Parzelle mitten in Brandenburg.

Judith nimmt uns mit in diesen ersten Sommer auf dem Campingplatz, indem die Renovierung des Wohnwagens von der aufkeimenden Krise ablenken soll. Die Wochenenden verbringen sie von nun an zwischen Grillfeiern, dem See und der Renovierung, während sich Judith an die Kindheit erinnert und sich immer wieder die Frage stellt, ob eine Familie mit einem Kind schon vollständig ist und wie sie ihren Freund überzeugen kann, doch ein zweites Kind zu planen.

Prima Aussicht ist großartig! Ich hab es so schnell weggelesen und jeden Satz, jede Seite genossen und so viel Klebestreifen eingeklebt. Judith schreibt authentisch, spritzig, humorvoll, nachdenklich und so offen über Schwächen und Ängste. So hatte ich stets das Gefühl, direkt mit auf dem Campingplatz zu sein und als würde ich Buch-Judith schon seit Jahren kennen. Ich hoffe sehr auf weiter Bücher von Judith, Absolutes Highlight in den letzten Wochen!

Nie Nie Nie von Linn Strømsborg

Buchinfos: NIe nie nie von Linn Strømsborg, Dumont Verlag, Hardcover, ISBN: 978-3-8321-7085-1, Erscheinungsdatum: 12.04.2021, Originaltitel: Aldri, aldri aldri, Übersetzung: Stefan Pluschkat

Hardcover Buch Nie Nie Nie von Linn Strømaborg aus dem Dumont Verlag. Nie nie nie in Großbuchstaben, jedes Wort eine Zeile, leicht schräg gestellt, einmal links, zweimal nach rechts geneigt. Gelbe, Pinke und Achwarze rauten und rechtecke auf dem Schutzumschlag. Buch steht in einem Mintgrünrn Ikea Serviereagen vor Bücherregalen
Nie nie nie, Linn Strømsborg, Stefan Pluschkat, Dumont

Linn Strømsborgs Buch, übersetzt von Stefan Pluschkat, handelt von einer 35-jährigen Ich-Erzählerin, die eines ganz sicher weiß: Sie möchte keine Kinder. Wir begleiten sie durch ein Stück ihres Lebens und erleben, wie oft sie an allen Ecken und Enden mit Kindern konfrontiert wird. Mit einer Mutter, die so dringend ein Enkelkind möchte und dann ist ihre beste Freundin auch schwanger. Ein, wie ich finde, sehr wichtiges Buch, das noch dazu wirklich wundervoll geschrieben und übersetzt ist. Und ich bin so zufrieden mit dem Ende, ach! Außerdem mochte ich sehr, was für unterschiedliche Lebensentwürfe Linn Strømsborg auch für die anderen Protagonist*Innen einbaute.

Das Buch zeigt, wie oft gebärfähige Menschen auf das Thema angesprochen werden, wie viel Unverständnis es gibt, wenn ein Mensch kinderlos bleiben möchte und welche Diskussionen und Schwierigkeiten dabei entstehen auch in der Beziehung. Es ist so wichtig, dass wir alle aufhören, anderen den eigenen Lebensweg aufzwingen zu wollen oder überhaupt ständig danach zu fragen. Egal warum ein Mensch keine Kinder möchte/keine hat, es geht andere einfach nix an. Und schon gar nicht haben andere das Recht, die eigene Entscheidung ständig infrage zu stellen. Absolute Leseempfehlung von mir und neben Prima Aussicht mit auf Platz eins meiner Lieblinge aus den letzten Wochen, ach was aus diesem Jahr!

Acts of Desperation von Megan Nolan

Buchinfos: Acts of Desperation, Megan Nolan, Penguin Verlag/Jonathan Cape Verlag, ISBN: 9781787332492, Erscheinungsdatum: 2.3.3021, 288 Seiten

Deutsche Ausgabe: Verzweiflungstaten, Megan Nolan, Blumenbar/Aufbau, Gebunden mit Klappe, ISBN: 978-3-351-05094-8, Erscheinungsdatum: 16.08.2021, Übersetzung: Lisa Kögeböhn

TW fürs Buch: Toxische Beziehung, Selbstverletzung, körperliche Verletzung/Gewalt, Vergewaltigung, Alkohol

Paperback Acts of Deseration von Megan Nolan Orange-rote Kleckse, schwarze/pinke schrift, in der mitte zwischen Titel und Autorin eine Apfelform, in der ein schwarz weiß Foto eines halben Gesichts einer Frau ist
Acts of Desperation, Megan Nolan, Penguin, Jonathan Cape

Auf das Buch wurde ich dank Tobi Börner und Anne von Fuxbooks aufmerksam. Die gemeinsam mit dem Aufbau Verlag ein Podcast-Projekt zum Buch machten. Grund: Das Buch ist keine leichte Kost und es gab viel Redebedarf. Hört auf jeden Fall mal rein und schaut auch unter dem Hashtag #verzweiflungstaten auf Instagram vorbei! Bei Tobi gibt es zudem einen Livestream mit der Autorin.

Megan Nolan beschreibt in Verzweiflungstaten eine toxische Beziehung und zwar ungeschönt. Das Buch ist aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin geschrieben. Eine junge Frau in Dublin, die nicht so richtig weiß, wer sie eigentlich ist und wo sie hin will. Studium abgebrochen, jobbt in einer Bar, geht gerne feiern und trinkt gerne und viel. In einer Galerie lernt sie Ciaran kennen und sofort ist er für sie ‚der schönste Mann der Welt‘. Sie verliebt sich, hat eine kurze, aber intensive Beziehung, trennt sich, kommt wieder zusammen, kann nicht mit, aber auch nicht ohne ihn.

Die Protagonistin schwankt zwischen Unabhängigkeit und der Sucht nach Begehren und Liebe. Sie definiert sich zunehmend nur noch über Ciaran und allgemein schon lange über Männer und Liebe. Sie spürt zwar, dass er nicht gut für sie ist, gibt sich und ihre Freunde aber mehr und mehr auf.

Ob sie am Ende die Kurve bekommt und wie es sich in einer so toxischen Beziehung lebt? Das alles beschreibt Megan Nolan eindringlich, intensiv, laut, vielfältig und nimmt einen regelrecht gefangen. Dabei deckt sie ein großes Themenspektrum ab und spickt das ganze mit einem guten Maß an Selbstreflexion der Protagonistin und definitiv auch Gesellschaftskritik. Auch dieses Buch ist ein Highlight für mich – aber es ist definitiv keine leichte Kost. Die deutsche Übersetzung ist von Lisa Kögeböhn, folgt ihr unbedingt auch auf Instagram, da gibt es einblicke in die Übersetzung zu diesem Buch, aber auch ganz allgemein zum Übersetzen und leckere Kuchen.

Alle wollen was erleben von Fabian Hischmann

Buchinfos: Alle wollen was erleben von Fabian Hischmann, Berlin Verlag/Piper, Erzählungen, Hardcover, ISBN: 978-3-8270-1357-6, 176 Seiten, Erscheinungsdatum: 5.9.2019

Alle wollen was erleben, Fabian Hischmann, Berlin Verlag, Piper

Das Buch lag so lange auf meinem SuB. Na gut, im Vergleich zu anderen immer noch kurz, aber dafür, dass ich das Buch zugesendet bekommen hatte, dann doch lange. Ich bin mir nicht mal mehr sicher, ob es damals von Erhlich und Anders kam oder doch im Survival Paket von Lüdders war? Aber im August hab ich es endlich gelesen! Von Fabian Hischmann kannte ich bisher nur „Am Ende schmeißen wir mit Gold“, dass mich nicht so sehr abgeholt hatte. Vermutlich lag es auch deshalb länger auf dem SuB, weil ich Angst hatte, dass es mir auch mit diesem so geht. Doch es war definitiv besser.

Alle wollen was Erleben ist schon mal kein Roman, sondern ein Band mit Kurzerzählungen. Gehört aber dennoch zu den vorherigen Büchern – eine Trilogie über die Suche nach einem Ausweg aus der rasanten Gegenwart. Nicht alle Geschichten hier konnten mich abholen, aber das Gesamtbild ist gelungen und hat mir gut gefallen. Ich vermute, dass auch die Protagonisten schon in den vorherigen Büchern waren – Buch eins ist aber zu lange her für mich, Buch zwei kenne ich noch nicht. Dennoch lässt sich das Buch unabhängig davon ebenfalls gut lesen.

Es sind Geschichten vom Scheitern, vom Absprung in ein neues Leben, von Schicksalsschlägen mit diversen Protagonist*Innen. Die Sprache ist recht leise, schnörkellos, ruhig, dennoch dicht und angenehm zu lesen. Insgesamt eine gute Lektüre, kann mit den anderen aus den letzten Wochen dennoch nicht ganz mithalten.

Franzi D.
introvertsadventure@gmail.com
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